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Kapitel 1 - Wo alles anfing

  • Autorenbild: maureralexandra
    maureralexandra
  • 6. Feb.
  • 2 Min. Lesezeit

Dear Diary,


Lass uns zurückspulen und ganz von vorne beginnen.

Meine – ich würde sie „Womanhood“ oder „intense Adulting"-Geschichte nennen – beginnt im Sommer 2018 in London. Mit der Geburt meiner ersten Tochter. Nach der Geburt ist etwas aus dem Gleichgewicht geraten, nicht nur in meinem Körper, sondern auch in der Art und Weise, wie die Welt mich gesehen hat. Plötzlich hatte ich das Gefühl, verschwunden zu sein.


Die meisten Menschen um mich herum — Pflegepersonal, Ärzt:innen, Freund:innen, Familie — fragten zuerst nach dem Baby. Ist sie gesund? Trinkt sie? Schläft sie? Fast niemand fragte: Hast du Angst? Fühlst du dich in deinem eigenen Körper sicher? Was brauchst du gerade?


Ich erinnere mich daran, wie ich im Krankenhausbett lag — noch leicht benommen und geschockt davon, wie sich die Geburt für mich angefühlt hatte. Anders, als man es mir erzählt hatte. Anders, als ich es mir vorgestellt hatte. Einfach… anders. Ich versuchte noch zu begreifen, was gerade mit mir passiert war. Ich fühlte mich fragil und erschöpft. Ängstlich, kalt und verletzlich. Traurig, mit Tränen in den Augen und gleichzeitig glücklich, mit einem Lächeln im Gesicht. Waren das die Medikamente, die langsam nachließen oder waren das meine echten Gefühle? So viele Gefühle auf einmal. Doch die Aufmerksamkeit war bereits weitergezogen. Das Wunder hatte ein Gesicht — und es war nicht meines.


Sechs Wochen später, bei meiner Nachuntersuchung, sagte ich einer Pflegefachfrau, dass sich etwas falsch anfühlte. Ich sagte ihr, dass ich Angst hätte. Dass ich Schmerzen verspürte, die sich nicht normal anfühlten. Dass ich Blut da sei, das nicht richtig aussah. Dass es sich anfühlte, als würde mein Körper noch immer gegen etwas kämpfen…

…sie tat meine Sorgen ab.


Sie sagte, das sei normal — ich hätte gerade ein Kind geboren. Ich würde überreagieren, so sei das halt eben nach einer Geburt. Ich solle mich einfach gut ausruhen. Aber die Angst in meinem Körper wurde nicht leiser. Etwas stimmte nicht. Und zehn Wochen später, in Zürich, erfuhr ich, dass mein Gefühl richtig gewesen war. Plazentareste waren zurückgeblieben. Mein Körper war noch immer in Gefahr. Was ich gespürt hatte, war keine Angststörung — es war Instinkt.


Ich brauchte eine Notoperation und lernte, dass es Konsequenzen hat, nicht ernst genommen zu werden.


Was bei mir blieb, war nicht nur der körperliche Schmerz. Es war die Erkenntnis, dass das Leiden einer Frau oft unsichtbar wird, sobald sie Mutter wird — zu Hause, in Beziehungen, im Krankenhaus, in der Gesellschaft.


Das Kind wird zur Schlagzeile. Die Mutter zur Fußnote.


Hier beginnt meine Geschichte. Nicht mit Heldinnentum. Nicht mit Dankbarkeit, sondern mit dem leisen Schock der Erkenntnis, dass meine Stimme in dem Moment weniger zählte, als ich einem kleinen, kostbaren Geschöpf das Leben schenkte.


Und heute schreibe ich, weil es diese Schwangerschaft/Geburt anders war... und ich die Kraft habe, mir meine Stimme zurückzuholen.


Dear Diary, danke, dass du das hältst.

Bis zum nächsten Mal,

your Woman on a Mission


Trägst du auch eine persönliche Geschichte mit dir rum, die du gerne teilen willst? Diese Community hört dir gerne zu. Schick mir deine Story an maurer_alexandra@yahoo.de - anonym oder mit Name, du entscheidest. x

 
 
 

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