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Das Wort „Behandelbar“

  • Autorenbild: maureralexandra
    maureralexandra
  • 19. Feb.
  • 3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 20. Feb.

Dear Diary,


in den Tagen vor dem Termin beim Spezialisten, lebten zwei Gefühle gleichzeitig in mir. Schuld und absolute Angst.


Die Schuld flüsterte leise: "..habe ich das verursacht? Habe ich etwas übersehen?Hätte ich meinen Körper besser schützen sollen?"Die Angst war aber lauter, denn ich glaubte wirklich, dass ich vielleicht nie wieder schwanger werden könnte.


Mit einem Mal hatte ich einen legitimen Grund, mir ernsthaft Sorgen zu machen. Würde ich vielleicht nie Mutter von zwei Kindern sein… ? Ich hatte das nie infrage gestellt. Nie gezweifelt. Bis jetzt.


Als wir die Praxis des Spezialisten betraten, fühlte es sich an, als würde ich einem Urteil entgegengehen. Mein Mann hielt meine Hand. Er war ruhig. Gefasst. Fast unerschütterlich. Irgendwann fragte ich ihn, ob er auch Angst habe. Er sah mich an und sagte:„Was würde es bringen, wenn ich jetzt auch noch Angst hätte?“ In diesem Moment wurde mir klar, dass er beschlossen hatte, für uns beide stark zu sein.


Seltsamerweise trieb uns der Druck nicht auseinander.. im Gegenteil, er brachte uns näher zusammen. Vereinter. Verbundener. Als hätte diese Herausforderung einen Kreis um uns gezogen und gesagt: Ihr zwei. Zusammen…


...vorerst…


Der Arzt sah sich meine Bilder sorgfältig an. Still. Konzentriert. Und dann sagte er es.

„Ja, es gibt deutliche Verwachsungen.“

„Ja, der Gebärmutterhals ist stark verengt.“

„Ja, eine Operation wird notwendig sein.“


Ich spürte, wie sich mein Magen zusammenzog.


Und dann fügte er etwas hinzu, das alles veränderte.

„Das ist behandelbar.“


Behandelbar.


Mir war nicht bewusst gewesen, wie sehr ich die Luft angehalten hatte, bis dieses Wort den Raum erfüllte. Hoffnung kam auf, aber sie löschte die Realität nicht aus.


Er erklärte, dass sich meine Gebärmutterschleimhaut vermutlich nie wieder ausreichend aufbauen würde, um auf natürlichem Weg schwanger zu werden. Die Chancen seien gering. Und weil die Zeit nicht unbedingt auf meiner Seite war — meine biologische Uhr lauter tickte als je zuvor — riet er uns, keine kostbaren Monate zu verlieren, indem wir es „einfach weiter versuchen“.

„Wenn es finanziell möglich ist“, sagte er behutsam, „sollten Sie auch in Betracht ziehen, Embryonen zu erzeugen.“ Ich erinnere mich noch an die Schwere dieses Satzes.

Operation.

Hormonstimulation.

IVF.

Zeitdruck.

Entscheidungen von enormer Tragweite.


Es ging nicht mehr nur darum, Narbengewebe zu entfernen. Es ging um Strategie. Darum, Chancen zu maximieren. Darum zu akzeptieren, dass mein Körper vielleicht Unterstützung auf eine Weise brauchen würde, die ich mir nie vorgestellt hatte.


Vier Operationen folgten. Viermal jemandem zu vertrauen, in meinen Körper einzugreifen. Viermal zu hoffen, dass die Verwachsungen nicht zurückkehren würden.


Zwischen den Eingriffen bereiteten wir meinen Körper vor. Stimulieren. Warten. Kontrollieren. Hoffen. Es war keine reine Kinderwunschreise mehr. Es war ein Marathon der Resilienz. Und doch, bei all dem, blieb dieses erste Wort bei mir. Behandelbar.


Es wurde zu etwas, woran ich mich an den schweren Tagen festhielt. An den Tagen, an denen die Hormone mich emotional machten. An den Tagen, an denen die Angst zurückkehrte. An den Tagen, an denen ich mich fragte, ob mein Körper und ich noch im selben Team waren.


Liebes Tagebuch, hier begann ich zu verstehen, dass Hoffnung und Angst gleichzeitig existieren können.


Nächste Woche erzähle ich, was vier Operationen und die Entscheidung, einen Embryo zu erzeugen, mit meinem Körper und meinem Geist gemacht haben und wie die IVF-Behandlung nicht nur meine Stärke, sondern auch unsere Beziehung auf eine Weise geprüft hat, mit der wir nicht gerechnet hatten.


Bis zum nächsten Mal,

Deine Woman on a Mission


🎙 Und falls du die Podcast-Folge zum Thema Asherman's-Syndrom noch nicht gehört hast: Vielleicht ist jetzt ein guter Moment dafür. Manchmal hilft Wissen dabei, die Angst etwas leiser werden zu lassen.



 
 
 

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